DigiBern

Christian Lüthi: Projekt DigiBern - Berner Kultur und Geschichte im Internet

Die StUB präsentiert digitalisierte Bücher als Volltext und Schweizer Karten aus der Sammlung Ryhiner auf ihrer Homepage

Christian Lüthi ist wissenschaftlicher Direktionsassistent der StUB; der Artikel entstammt Libernensis 1/2002, S. 14-15, pdf-Dokument

Das Internet bietet mehr als nur schön gestaltete Websites, es wird zunehmend auch zum Hort des Wissens. Bibliotheken, Archive aber auch Verlage stellen zunehmend ganze Textund Bildbestände ins Web. Zwei der grössten und gehaltvollsten dieser digitalen Bibliotheken sind die Datenbanken «American Memory» der Library of Congress in Washington und «Gallica» der Bibliothèque nationale de France in Paris. Beide sind frei zugänglich. American Memory enthält Materialien zur Kultur und Geschichte der USA aus den Beständen der grössten Bibliothek der Welt. Gallica ist eine Sammlung von literarischen Texten in französischer Sprache, vor allem aus dem 19.Jahrhundert. Die gescannten Bücher sind als Faksimile und als Volltext abrufbar. Ein weiteres innovatives Projekt ist JSTOR (Journal storage), das ältere Jahrgänge von rund 200 Fachzeitschriften digitalisiert hat. Diese sind nur gegen eine Lizenzgebühr zugänglich, welche die StUB seit Anfang Jahr für ihr Publikum entrichtet.

Dem Trend zur Digitalisierung will sich die StUB nicht entziehen, und so haben wir das Projekt DigiBern lanciert. Ausgehend vom Auftrag, als Stadt- und Kantonsbibliothek Publikationen über Bern zu sammeln und zu archivieren, setzen wir einen Schwerpunkt bei den Bernensia. Wir knüpfen dabei an erste Bestrebungen in diese Richtung an, die wir vor einigen Jahren unternommen haben, als wir in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein des Kantons Bern die vierbändige «Geschichte des Kantons Bern seit 1798» von Beat Junker und Christian Pfister online auf der Website publiziert haben. Zudem machen wir auf unserer Homepage mit der WWW-Ausgabe des «Atlas céleste» (1826) des Berner Künstlers Franz Niklaus König auf die reichen Kartenschätze der StUB aufmerksam.

Die ersten Inhalte

In einem Pilotprojekt sind nun erste Erfahrungen mit der Digitalisierung gesammelt worden. Im Auftrag der StUB hat eine Berliner Firma die sieben Bände der «Kunstdenkmäler des Kantons Bern», die vierbändige «Illustrierte Berner Enzyklopädie» und die Jahrgänge 1939 bis 1997 der «Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde» gescannt und einen Volltext davon erzeugt. Die gedruckten Vorlagen zählen insgesamt über 18000 Seiten. Über eine spezielle Website der StUB können diese Publikationen als Bilder mit demselben Layout wie im Original angeschaut werden. Die gescannten Bücher sind nun also viel leichter zugänglich als bisher: Der Inhalt lässt sich über das Internet von überall her abrufen, und die Stichwortsuche im Volltext bietet mehr Möglichkeiten als das Blättern oder die Registersuche im Original. Selbstverständlich ist auch das Ausdrucken vorgesehen. Es lassen sich einzelne Seiten ausdrucken wie auch ganze Abschnitte oder Artikel. Die gescannten Bücher sind durch einen Index gegliedert, der dem Inhaltsverzeichnis der gedruckten Ausgabe entspricht. Die «Berner Zeitschrift» wird durch einen Autorenindex erschlossen. Diese Untergliederung bildet auch die Basis für den Ausdruck von mehreren Seiten.
Das 1976 in gedruckter Form erschienene «Historisch-topographische Lexikon der Stadt Bern» von Berchtold Weber ist ebenfalls neu auf der StUB-Homepage verfügbar. Hier sind wir noch einen Schritt weiter gegangen bezüglich Lesekomfort, weil der Volltext manuell korrigiert und in einen Html-Text umgewandelt wurde. Denkbar ist auch, dass in Zukunft vom Text Links auf gescannte Bilder eingefügt werden, sodass ein multimediales Werk entsteht.
Da die StUB keine eigene grafische Sammlung hat -diese wurde 1951und 1976 in die Burgerbibliothek ausgelagert -, umfasst DigiBern noch keine gescannten Bilder. Eine Ausnahme davon bilden die Karten der Sammlung Ryhiner. Die etwas mehr als 800 Schweizer Blätter der Sammlung Ryhiner aus deren Totalbestand von rund 16000 Karten liess die StUB in der Schweiz scannen. Neben dem Masterscan existieren von jeder Karte Dateien niedrigerer Auflösungen, die auf der StUB-Homepage demnächst frei zugänglich sind.

Nachweis von DigiBern im Bibliothekskatalog

Da Bibliotheken sowohl gedruckte als auch elektronisch zugängliche Publikationen anschaffen, besteht die Gefahr, dass Doppelspurigkeiten bei der Erschliessung entstehen, die vor allem für die Benutzerinnen und Benutzer unübersichtlich werden. Die StUB setzt alles daran, dass ihre Bestände möglichst einfach zu finden sind. Deshalb sind die Inhalte von DigiBern auch im IDS-Katalog Basel/Bern nachgewiesen. In die bestehenden Katalogaufnahmen der gedruckten Werke wird ein Weblink eingefügt, von dem aus zum entsprechenden Text in DigiBern geklickt werden kann. Genau gleich besteht für jede Karte der Sammlung Ryhiner eine Titelaufnahme, von der aus nach Abschluss des Projekts die Karte per Mausklick auf den Bildschirm geholt werden kann. Bei der «Berner Zeitschrift» werden mehrere hundert noch nicht verzeichnete Artikel im IDS-Katalog nachgeführt.

Da DigiBern nicht bloss eine kleine Forschergemeinde interessieren wird, sondern ein breites Publikum ansprechen soll, ist die Einstiegsseite über www.digibern.ch erreichbar. Diese Adresse lässt sich leicht merken und bietet keine Schwierigkeiten für Mund-zu-Mund-Propaganda.

Damit das Angebot attraktiv bleibt, planen wir einen schrittweisen Ausbau um weitere Publikationen. Eine StUB-interne Arbeitsgruppe hat bereits eine Liste möglicher Werke zusammengestellt, die in den nächsten Jahren ebenfalls digitalisiert werden sollen. Eine Schwierigkeit bietet dabei das Urheberrecht. Wir können nur Bücher digitalisieren, wenn uns das Copyright erteilt wird oder wenn sie so alt sind, dass der urheberrechtliche Schutz wegfällt. So wird es in der Regel leider nicht möglich sein, die neuesten Bernensia auf dem Internet anzuschauen. Doch trotz dieser Einschränkungen umfasst die Liste der geplanten Digitalisierungen Werke mit einem Total von mehreren 100000 Buchseiten. Damit wird ein weltweiter freier Zugang zu bedeutendem bernischen Textund Bildmaterial geschaffen. Zudem entsteht ein elektronisches Duplikat, das eine zusätzliche Sicherung ermöglicht.

Kontakt: christian.luethi@ub.unibe.ch, Telefon 031 631 92 03

Links
DigiBern: http://www.digibern.ch
Geschichte des Kantons Bern seit 1798: http://www.zb.unibe.ch/extern/hv/gkb/
American Memory: http://memory.loc.gov/ammem/amhome.html
Gallica: http://gallica.bnf.fr/
JSTOR: http://www.jstor.org/